In Grauer Vorzeit

Der Begriff graue Vorzeit umschreibt lange zurückliegende Zeiten, über die wenig bekannt sind.

Qobustanmuseum

Angestellte des Qobustanmuseums in Aserdaidschan


Gehen wir zum Anfang unserer Geschichte: Das Paläolithikum (Altsteinzeit) begann vor 2,6 Millionen Jahren und endete knapp 10.000 Jahre vor Christus. Diesen Zeitraum kann man mit Fug und Recht als graueste Vorzeit bezeichnen. Es ist ein Grau, das inzwischen einige Aufhellungen aufweist. Wissenschaftler haben Knochen, Steinwerkzeuge, selten Holz- und Fasereste aus diesen Zeiten gefunden, aus denen sich Schlüsse ziehen lassen. Vor allem in Zusammenhang mit anderen Funden aus denselben Erdschichten. Aber was sagt das über die Menschen aus. Wie haben sie gefühlt? Wovor hatten sie Angst, was haben sie geliebt? Was haben sie geglaubt? Sicherlich haben sie oft die gleichen Werkzeugen, Waffen und Techniken benutzt wie weitentfernt lebende Gruppen. Im täglichen Miteinander wird es allerdings erheblich Unterschiede gegeben haben, je nach Charakter der Anführer und den Riten, die sich in jeder Familie und Gruppe entwickeln.

Fundstelle

Fundstelle in der Sierra de Atapuerca

Eine interessante Informationsquelle sind die Höhlen, die unsere Vorfahren bemalt haben. Was sie mit ihren Bildern, Zeichnungen und Gravuren ausdrücken wollten, können wir leider nur erahnen.
Wir wissen wenig, aber zum Glück existiert eine bedeutende Quelle, auch wenn man sie mit Vorbehalt betrachten muss. Es sind die Erkenntnisse der Ethnologen und Anthropologen, die sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten mit Eingeborenen beschäftigten, die in den Urwäldern dieser Erde ohne Kontakt zur sogenannten Zivilisation lebten.
Auch die Berichte der ersten Entdecker Nord- und Südamerikas sind in dem Zusammenhang interessant. Allerdings ist ungewiss, inwieweit das Leben, Denken und Fühlen dieser Menschen den ihrer Vorfahren ähnelt.
Felsmalerei

Felsmalerei in Aserbaidschan

Ein Anhaltpunkt könnte es auf jeden Fall sein, da sich ihre Lebensbedingungen seit Jahrtausenden nur wenig verändert haben.

Grau?

Für die Menschen der Vorzeit, ich rede hier von der Zeit vor der neolithischen Revolution, war das Leben so wenig grau, wie die heutige Zeit für uns grau ist. Unsere Vorfahren waren in der Lage Farben herzustellen und einzusetzen, sie haben gelacht, geflirtet, geliebt, erzählt, geträumt, gemalt, gesungen und Musik gemacht. Grau ist nur unser Wissen über diese Zeit.

Neandertaler

Neandertaler aus dem Neandertalmuseum/p><


Wissenschaftler sind sich einig, dass unsere Vorfahren im Durchschnitt nur etwa drei Stunden am Tag gearbeitet, d.h. gejagt, gesammelt oder Werkzeuge hergestellt haben. Von so einer geringen Arbeitszeit können wir heute nur träumen. Es blieb den Steinzeitmenschen also viel Zeit für Kreativität und die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen.
Es war möglicherweise ein Zusammenleben mit wenig Stress. Streit um Land und Besitz gab es nicht. Die einzigen Besitztümer war die eigene Kleidung und die eigenen Waffen und Werkzeuge. Da dies jeder selber herstellen konnte, gab es keinen Grund, darum zu streiten. Sicherlich wurde manchmal um die Führung einer Gruppe gestritten. Auch Konflikte um Partner dürften nicht unbekannt gewesen sein, aber wahrscheinlich hat man bereits damals Möglichkeiten gefunden Streit zu schlichten und Probleme zu lösen.

Vortrag am Ausgrabungsort Atapuerca

In diesem Blog schreibe über wissenschaftliche Erkenntnisse und Entdeckungen, des Weiteren über interessante Museen, Höhlen, Museumsdörfer und Ähnlichem. Einen großen Raum werden Bücher zu dem Thema einnehmen, vom Bildband bis zum Historienroman. Nicht zuletzt dient die Seite auch dazu mein eigenes Buch zu dem Thema zu bewerben.
Da sich auch Filmemacher für Geschichte interessieren und ich zudem Filme zu dem Thema gerne sehe, liegt es auf der Hand, dass ich darüber ebenfalls schreibe.

Den Ausdruck `graue Vorzeit´ definiere ich als die Zeit zwischen dem Eintreffen des Homo erectus (Homo Sapiens), also des modernen Menschen in Europa und dem Mittelalter, was einen Zeitraum von etwa 40.000 Jahren umfasst. Knapp zwei Drittel dieser Zeitspanne liegt vor der neolithischen Revolution. Dies war eine Zeit mit sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen, von eiszeitlich frostig bis subtropisch, mal trocken, mal feucht. Aus dem Grund gab es keine einheitliche Flora und Fauna.
In ein und derselben Region finden sich Knochen von so unterschiedlichen Tieren wie Mammuts, Wollnashörnern, Pferden, Antilopen, Elefanten, Löwen, Tigern und Höhlenbären. Während der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren haben sich allerdings die Lebensbedingungen so verschlechtern, dass die Populationen der verschiedenen Großsäuger deutlich abnahmen und auch die Menschen Probleme bekamen. Zu wenig Beute bedeutete, nicht nur nicht satt zu werden, sondern auch zu wenig Felle für Kleidung und Zelte zu haben.
Eine neue Theorie besagt, dass einige Wagemutige an der Eiskante entlang, die damals südlich von England und Irland verlief, vom heutigen Frankreich aus Nordamerika erreichten. Während der Wanderung könnten sie sich von Fischen und Robben ernährt haben. Dies könnten die ersten modernen Menschen in der neuen Welt gewesen sein, die Vorfahren der Indianer. Nahezu identische Speerspitzen lassen diesen Schluss zu.

Wie primitiv waren unsere Vorfahren?

Unseren Vorfahren fehlte unser heutiges Wissen. Die Natur verstanden sie allerdings deutlich besser als wir. Jeder kannte die Tierarten der Region und wusste, wo er sie, zu welcher Jahreszeit, finden konnte.
Auch die Pflanzen und Pilze waren ihnen bekannt und von den Häufigsten wusste jeder, wozu sie zu gebrauchen waren.

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